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Tierberichte
Schlangen orten Beute über Vibrationswellen PDF Drucken E-Mail
30.01.08 - Biophysiker von TU München und Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience publizieren in Physical Review Letters

Das Vorurteil, Schlangen seien taub, ist weit verbreitet - was wohl daran liegt, dass sie keine von außen sichtbaren Ohren haben und es nur wenig wissenschaftliche Indizien dafür gibt, dass sie hören können. Nichtsdestotrotz haben Schlangen ein Innenohr mit einer funktionsfähigen Hörschnecke (Cochlea).

In einem aktuellen Artikel der Zeitschrift Physical Review Letters zeigen Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und des Bernstein Zentrums für Computational Neuroscience (BCCN), dass Schlangen dieses Organ nutzen können, um kleinste Vibrationen der Sandoberfläche wahrzunehmen, die durch die Bewegung von Beutetieren verursacht werden. Ihre Ohren sind so empfindlich, dass sie die Beute nicht nur kommen "hören", sondern auch unterscheiden können, aus welcher Richtung sie sich nähert. Die Arbeit wurde von Prof. J. Leo van Hemmen und Paul Friedel, Biophysiker an der TUM und dem BCCN, zusammen mit ihrem Kollegen Bruce Young von der Washburn University in Topeka (Kansas, USA) durchgeführt.

Jede Erschütterung auf einer sandigen Oberfläche verursacht Vibrationswellen, die sich von der Quelle aus auf der Oberfläche ausbreiten - so wie Wellen in einem Teich, nachdem ein Stein hineingeworfen wurde. Die Sandwellen breiten sich allerdings mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 Metern pro Sekunde viel schneller aus als Wasserwellen und ihre Amplitude beträgt nur wenige tausendstel Millimeter. Dennoch kann eine Schlange diese winzigen Wellen wahrnehmen. Wenn sie ihren Kopf auf den Sand legt, werden die beiden Hälften des Unterkiefers durch die eintreffende Welle in Schwingung gebracht. Diese Schwingungen werden dann über eine Reihe von Knochen, die mit dem Unterkiefer verbunden sind, ins Innenohr übertragen. Dieser Prozess ist vergleichbar mit der Weiterleitung akustischer Signale durch die Hörknöchelchen im menschlichen Mittelohr. Die Schlange hört also im wahrsten Sinne des Wortes die Oberflächenwellen.

Säugetiere und Vögel können Geräusche orten, indem sie die zeitliche Verzögerung messen, mit der eine Schallwelle die beiden Ohren erreicht. Geräusche, die von rechts kommen, erreichen das rechte Ohr einen Bruchteil einer Sekunde früher als das linke. Für Geräusche, die von links kommen, ist das Umgekehrte der Fall. Aus dieser Zeitdifferenz berechnet das Gehirn, aus welcher Richtung ein Signal kommt.

Durch eine Kombination von Forschungsansätzen aus der Biomechanik, der Schiffsbautechnik und der Modellierung neuronaler Schaltkreise haben Friedel und seine Kollegen gezeigt, dass Schlangen mit ihrem ungewöhnlichen Hörsystem dieses Kunststück ebenfalls beherrschen. Die linke und rechte Hälfte des Unterkiefers einer Schlange hängen nämlich nicht starr zusammen. Vielmehr sind sie durch flexible Bänder miteinander verknüpft, die es der Schlange ermöglichen, ihr Maul enorm weit zu öffnen, um auch große Beutetiere zu verschlingen. Beide Hälften des Unterkiefers können sich so unabhängig voneinander bewegen. Legt die Schlange den Kopf auf den Boden, schaukeln sie ähnlich zwei einzelnen Boote auf einem See aus Sand und ermöglichen so das Hören in Stereo.

Eine Sandwelle, die von rechts kommt, wird die rechte Hälfte des Unterkiefers minimal früher erreichen, als die linke Seite und umgekehrt. Mit Hilfe mathematischer Modelle haben die Wissenschaftler die Bewegung des Unterkiefers in Antwort auf die eintreffende Oberflächenwelle berechnet. Sie konnten zeigen, dass der kleine Unterschied in der Ankunftszeit einer Welle zwischen dem rechten und dem linken Ohr ausreicht, der Schlange ein Richtungshören zu ermöglichen. Die neuronale Verschaltung des Gehirns erlaubt es ihr zu berechnen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt.

Die außergewöhnliche Beweglichkeit des Unterkiefers der Schlange ist in der Evolution entstanden, weil die Fähigkeit der Schlange, auf diese Weise sehr große Beutetiere verschlingen zu können, einen großen evolutionären Vorteil bietet, wenn Futterressourcen knapp sind und die Konkurrenz hart ist. Erst durch die Trennung der Unterkieferhälften wurde es möglich, auch diese besondere Form des Hörens hervorzubringen.

Originalveröffentlichung:
Paul Friedel, Bruce A. Young, and J. Leo van Hemmen.
Auditory localization of ground-borne vibrations in snakes
Physical Review Letters 100, 048701 (2008)
doi: 10.1103/PhysRevLett.100.048701

Kontakt:

Paul Friedel
Physik Department T35, TU München
Garching bei München, Germany
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+49 89 289 12193

Prof. J. Leo van Hemmen
Physik Department T35, TU München
Garching bei München, Germany
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+49 89 289 12362

Prof. Bruce A. Young
Department of Biology
Washburn University
Topeka, KS 66621, USA
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+1 785 670 2166

Die Bernstein Zentren für Computational Neuroscience in Berlin, Freiburg, Göttingen und München werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Um die komplexe Struktur des Gehirns zu erforschen, verbindet die Computational Neuroscience Experiment, Computersimulation und Theoriebildung.


 
Krokodil auf dem Golfplatz PDF Drucken E-Mail
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Club-Besitzer Don Matheson sagte, das kleine, rund einen Meter lange Krokodil sei «keine große Gefahr» für die Menschen. Vorerst dürfte aber niemand auf den Platz in der Stadt Townsville im Staat Queensland. «Wenn wir es zulassen würden, dann würde es wohl hier bleiben.» Das Krokodil kam mit den jüngsten Überschwemmungen auf den Platz und fand wohl Gefallen an dem See am 14.Loch. Wildhüter sollen es aber bald zurück in die Wildnis bringen.
 
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Dutzende Dorfbewohner hatten bis zum Nachmittag damit zu tun, der Plage Herr zu werden. Insgesamt töteten sie 103 Exemplare. Das massenhafte Auftreten der Schlangen hatte bei den Menschen im Dorf und in der Umgebung Panik ausgelöst.
 
Hightech-Mamba: Mikrochip für Giftschlangen PDF Drucken E-Mail
Johannesburg (dpa) - Südafrikas Schwarze Mambas schlängeln sich künftig mit Mikrochips und Identitätsnummern durch den Busch. In einem weltweit einmaligen Forschungsprojekt der regionalen Parkbehörde in der Mpumalanga-Provinz werden den Giftschlangen winzige Mikrochips eingepflanzt.

«Es ist nur wenig bekannt über die Schlangen», erklärte der Schlangenspezialist der Behörde, Chris Bokirk, der Zeitung «The Citizen». Jeder Chip hat eine Identitätsnummer, die mit einem Scanner abgelesen werden kann. Die so gewonnen Informationen über das Verhalten der überaus giftigen Reptilien sollen künftig in einer Datenbank gespeichert werden.
 
Immer mehr Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht PDF Drucken E-Mail
Weltweit sind derzeit 16.306 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, fast zweihundert mehr als im vergangenen Jahr. Gefährdet sind über 41.000 Tier- und Pflanzenarten, wie die Weltnaturschutzunion IUCN in ihrer neuen Roten Liste feststellt. "Die Artenvielfalt nimmt immer schneller ab, und wir müssen jetzt handeln", erklärte IUCN-Chefin Julia Marton-Lefevre. Jedes vierte Säugetier, jeder achte Vogel und fast drei von vier beobachteten Pflanzen sind laut der in der Schweiz ansässigen Organisation in Gefahr.

Zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehört unter anderem der Chinesische Flussdelfin. Eine aufwendige Suche nach dem Delfin im November und Dezember sei erfolglos verlaufen, erklärte die Naturschutzunion; er sei möglicherweise schon ausgestorben. Auch der Westliche Gorilla gilt nun als vom Aussterben bedroht. Die IUCN nahm zudem 723 Schildkröten, Schlangen und weitere Reptilien aus Nordamerika und Mexiko in ihre Rote Liste auf. Nur für eine einzige Tierart gab es leichte Entwarnung: Der Mauritiussittich gilt nur noch als gefährdet, aber nicht mehr als vom Aussterben bedroht.

Rote Liste der bedrohten Tiere und Pflanzen: www.iucnredlist.org
 
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